Jörg Starkmuth

Ein Portrait von Barbara Sawitza – www.wertejournalismus.de

Jörg StarkmuthEin offener Blick, ein herzlicher Händedruck – eine wache Aufmerksamkeit wird sofort spürbar. Sie gilt allem: dem Gesprächspartner, dem Familienleben, dem Alltäglichen. Das Telefon unterbricht, mit einem „Darf ich, das ist bestimmt …?“ springt er auf. Familiäres wird kurz besprochen, hat einen hohen Stellenwert. Er kommt zurück zum Sofa im hellen Wohnzimmer, eine schlanke, fast hagere Gestalt, bequemes kariertes Hemd, ein freundliches Lächeln, kurzes Schweigen. Einer, der einfach ist, wie er ist.

Und: einer, der ein spannendes Buch geschrieben hat. In Die Entstehung der Realität entwickelt Jörg Starkmuth auf der Basis der Erkenntnisse der modernen Physik ein in sich schlüssiges Weltbild, das die Grenzen der klassisch-mechanischen Sichtweise sprengt.

Jörg Starkmuth, Jahrgang 1966, ist Ingenieur für Nachrichtentechnik und arbeitet freiberuflich als Übersetzer, Lektor und Autor. Was hat ihn dazu gebracht, ein solches Buch zu schreiben? Leidenschaft für das Schreiben, sagt er, Freude daran, Dinge zu verknüpfen, Erkenntnisse zu vernetzen und zu einem in sich stimmigen Gesamtbild zusammenzufügen. Er schaue gerne aus einer übergeordneten Perspektive, wie ein Adler. Denn der Adler fliegt hoch und hat doch einen scharfen Blick fürs Detail. Sonst könnte er keine Mäuse fangen. „Aber die Mäuse kommen bei mir etwas zu kurz, wie man sieht“, er schaut an sich herab und seine Augen funkeln lustig.

Die Welt, die wir erleben, ist unsere eigene Schöpfung. Diese zentrale Aussage des Buches leitet Jörg Starkmuth naturwissenschaftlich schlüssig her. Und wenn der Mensch seine Realität unbewusst erschafft, dann kann er sie auch bewusst verändern. Davon ist Jörg Starkmuth überzeugt. Doch wie wirksam ist die bewusste Gestaltung der Realität in seinem eigenen Leben? Er lächelt: „Für mich ist das heute nicht mehr von so großer Bedeutung wie noch vor einigen Jahren.“

Viel wichtiger findet er, zu erkennen, wie äußere Gegebenheiten individuell gedeutet werden. Denn „wir wollen nicht bestimmte Dinge, sondern bestimmte Gefühle, und die machen wir uns komplett selbst.“ Die eigenen Gefühle können viel leichter als die äußere Realität hin zum Erleben von mehr Glück und Zufriedenheit verändert werden. Jörg Starkmuth selbst hat diese Veränderung der Prioritäten als sehr befreiend erlebt. Glücklichsein verträgt sich nicht mit krampfhaften Versuchen, die Realität in eine bestimmte Richtung zu biegen, die oft auch noch eine falsche ist. Und er verdeutlicht: „Könnte man die Welt verzaubern, nach dem Motto ‘Ich kann alles haben’ – welchen Wert hätte es dann noch?“

Was ist das für ein Mensch, der so etwas sagt? Einer, der sich abwendet von den materiellen Dingen? Im Gegenteil. Jörg Starkmuth schätzt die einfachen Dinge, das scheinbar Alltägliche. Was er am liebsten tut? Im Garten oder am Computer werkeln, mit Elektronik basteln und anschließend sehen, was seine Hände geschaffen haben. Ein normales Leben leben. Und dabei immer mal wieder einen Schritt weitergehen, Grenzen überwinden.

Doch in der Beschränkung steckt für ihn ebenfalls eine eigene Faszination: Es ist die Herausforderung, in einem vorgegebenen Rahmen alles herauszuholen, was möglich ist, vergleichbar einem Gesellschaftsspiel mit Spielbrett und festen Regeln: „Sonst würde es doch keinen Spaß machen!“

Gerade die Begrenzung ermögliche Erfahrungen, die man eben nur auf diese spezielle Weise machen kann. In diesem Sinn deutet Jörg Starkmuth auch die Reinkarnation. Für sich selbst könne er sich vorstellen, dies freiwillig anzustreben, „denn schließlich ist das Leben hier gar nicht so schlecht.“

Mit dieser Haltung definiert Jörg Starkmuth seinen eigenen Standpunkt anders als jene spirituellen Traditionen in Ost und West, die die Befreiung vom „Rad von Tod und Geburt“ anstreben. Die Überwindung des Egos, für viele Richtungen ebenfalls ein zentrales Thema, sieht er sehr gelassen. Für ihn ist das Ego ein Filter, der unser individuelles vom kollektiven Bewusstsein abschottet und so bei Gefahr das Überleben unseres Körpers sichern hilft. Doch in einer Welt, in der die Gefährdung des Einzelnen mehr und mehr abgelöst wird durch globale Bedrohungen, wird das Ego für ihn schlicht zu einem „Instrument, das man ablegen kann“. Ganzheitliche Lösungen werden so möglich. Wesentlich für die Menschheit ist, so sagt er, ein „Vernetzungsbewusstsein“ zu entwickeln, Werte wie Verbundenheit, Liebe, Mitgefühl zu leben. Und natürlich: glücklich zu sein.

Am besten funktioniert das alles ohne „Muss“, meint Jörg Starkmuth, lacht und stellt die Frage in den Raum, warum man sich denn eigentlich spirituell entwickeln „müsse“. Für ihn ergab sich hieraus, was er die „Abkehr vom spirituellen Karrierestress“ nennt. Dies sei auch für die Seele nicht förderlich. Und im Übrigen: „Wenn wir uns nicht weiterentwickeln wollten, müssten wir aufhören, irgendetwas zu tun. Das ist doch gar nicht möglich.“ Die Evolution von Mensch und Planet Erde scheint somit geradezu unausweichlich. Doch wie sieht Jörg Starkmuth die aktuellen Krisen und Schwierigkeiten der Menschheit?

Wiederum – wie könnte es anders sein – gelassen: „Jede Entwicklung hat ihre Entgleisungen. Aber Bestand hat, was wahr ist. Denn dort liegt Kraft.“ Nichts – und trete es auch noch so gewalttätig auf – kann sich dauerhaft manifestieren, was allein auf Deutungen und Wertungen eines Egos beruht. Denn darin gibt es keine grundlegende Wahrheit.

Wahrhaft leben bedeutet, die Enge der Sichtweise des Egos aufzuheben. Angefangen bei den kleinen Dingen. Denn das Einfache ist wesentlich. Dies ist ein neuer Fokus, der gleichzeitig die Aufhebung der Trennung zwischen Spiritualität und Alltag bedeutet. Und es bedeutet: Alle Menschen sind auf dem Weg, jeder auf seine Weise, jeder an seinem Platz. Jörg Starkmuth ist einer davon.




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